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Die Ex & das System

Bonusmama und Kindsmama: Von Konkurrenz zur Freundschaft

Von Sally Matthes · 16. Mai 2025 · Aktualisiert: 10. März 2026
Zwei Frauen führen ein offenes Gespräch an einem Tisch über ihre gemeinsame Rolle in der Patchworkfamilie

Die Beziehung zwischen Bonusmama und Kindsmama ist vielleicht die komplizierteste Verbindung, die es in einer Familie geben kann — weil sie nie gewählt wurde. Ihr habt euch nicht ausgesucht. Ihr wärt euch im echten Leben vermutlich nie begegnet. Und trotzdem teilt ihr das Intimste, was es gibt: ein Kind. Als systemischer Coach und selbst Bonusmama erlebe ich in meiner Arbeit: Wenn diese Verbindung heilt, heilt die ganze Familie mit.


🎙 Passend dazu: Hör dir die Podcastfolge „Bonusmama und Kindsmama: Von Konkurrenz zur Freundschaft” an — auf Spotify oder überall, wo du Podcasts hörst.


Du stehst an der Haustür und das Kind rennt rein. Die Kindsmama steht draußen. Ihr schaut euch an — eine Sekunde zu lang. In diesem Blick liegt alles: Wer bist du? Was willst du von meinem Kind? Warum bist du hier? Und in deinem Blick: Ich versuche nur, meinen Platz zu finden. Ohne dir deinen wegzunehmen.

Wednesday Martin (2009) beschreibt diese Dynamik als eine der spannungsreichsten Konstellationen im Familiensystem. Nicht weil eine der Frauen bösartig ist. Sondern weil das System sie gegeneinander aufstellt — und niemand ihnen gesagt hat, wie man das ändert.

„Die Kindsmama ist nicht deine Feindin. Sie ist eine Frau, die dasselbe Kind liebt wie du — und die genauso Angst hat, nicht genug zu sein.” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas


Warum Bonusmama und Kindsmama fast immer als Rivalinnen starten

Es liegt am System. Nicht an euch.

Ihr steht auf derselben Bühne — ohne gemeinsames Drehbuch

Beide Frauen kümmern sich um dasselbe Kind. Beide haben Meinungen zu Erziehung, Essen, Schlafenszeiten, Kleidung. Aber es gibt kein Rollenskript, das sagt: Wer macht was? Wessen Stimme zählt? Wann ist Einmischung angemessen und wann übergriffig?

Die Gesellschaft befeuert den Konflikt

„Die Neue” vs. „Die Ex.” Schon die Sprache macht klar: Hier gibt es Gewinnerin und Verliererin. Medien, Freundinnen, sogar Therapeuten fallen manchmal in dieses Muster. Die Wahrheit ist: Es gibt keine Gewinnerin. Es gibt nur zwei Frauen, die innerhalb eines Systems zurechtkommen müssen, das für keine von ihnen designed wurde.

Kinder verstärken die Dynamik — unbewusst

„Mama sagt, du bist nicht meine Mama.” „Bei Mama darf ich das.” „Mama hat gesagt…” Kinder tragen Informationen hin und her — nicht aus Bosheit, sondern weil sie versuchen, ihre Welt zu ordnen. Und jedes dieser Worte trifft bei dir einen wunden Punkt.

In Deutschland leben rund 1,1 Millionen Patchworkfamilien (Statistisches Bundesamt, 2024). In den meisten davon existiert diese stille Rivalität — und kostet alle Beteiligten enorm viel Energie.


Bonusmama sitzt nachdenklich auf einer Bank im Grünen und reflektiert ihre Gefühle


Die 4 Phasen: Von Feindschaft zu Freundschaft

Phase 1: Unsichtbarer Krieg

Ihr redet nicht miteinander. Alles läuft über ihn. Jede Übergabe ist ein Minenfeld. Jede Nachricht wird dreimal gelesen und fünfmal interpretiert. Ihr seid Rivalinnen — auch wenn keine von euch es so nennen würde.

Phase 2: Kalter Frieden

Ihr habt gelernt, nebeneinander zu existieren. Die Übergaben laufen. Es gibt Regeln. Aber keine Wärme. Kein „Wie geht es dir?” — nur „Bitte um 17 Uhr abholen.” Das funktioniert. Aber es ist anstrengend.

Phase 3: Respektvolle Distanz

Der Wendepunkt. Ihr erkennt: Die andere Frau ist nicht das Problem. Das System ist das Problem. Ihr beginnt, Grenzen zu respektieren, ohne sie als Angriff zu werten. Ihr könnt Informationen austauschen, ohne dass es emotional wird. Das Kind atmet auf.

Phase 4: Echte Verbindung

Das ist selten — und wunderschön. Ihr könnt über das Kind lachen. Ihr könnt gemeinsam Entscheidungen treffen. Ihr könnt sagen: „Danke, dass du dich um mein Kind kümmerst.” Nicht jede Patchworkfamilie erreicht diese Phase. Aber jede kann es.

Patricia Papernow (2013) betont: Der Übergang von Phase 1 zu Phase 3 ist der entscheidende Sprung — und er erfordert, dass mindestens eine der beiden Frauen den ersten Schritt macht.


Was du konkret tun kannst

Hör auf, sie über ihn zu definieren

Sie ist nicht „seine Ex.” Sie ist die Mutter eines Kindes, das du in deinem Alltag begleitest. Dieser Perspektivwechsel klingt klein — ist aber riesig. Er nimmt die Konkurrenz-Dynamik raus und ersetzt sie durch Sachlichkeit.

Kommuniziere direkt — wenn möglich

Über ihn zu kommunizieren erzeugt Stille Post. Fehler. Missverständnisse. Wenn die Kindsmama dazu bereit ist: schreibt euch direkt. Über Termine, Kleidung, Schulthemen. Kurz. Sachlich. Ohne Emotion. Das spart allen Nerven — besonders dem Kind, das nicht mehr Botschafter spielen muss.

Anerkenne ihre Rolle — auch innerlich

Sie ist die Mutter. Das wird sich nie ändern. Und das muss es auch nicht. Dein Platz ist nicht ihr Platz. Dein Platz ist ein eigener — und er hat seinen eigenen Wert.

Erwarte keine Dankbarkeit

Du wirst vermutlich nie hören: „Danke, dass du mein Kind betreust.” Das ist schmerzhaft. Aber es ist realistisch. Deine Motivation muss von innen kommen — nicht von ihrer Anerkennung. In über 700 Coaching-Stunden habe ich erlebt: Bonusmamas, die aufhören, auf die Dankbarkeit der Kindsmama zu warten, sind freier.

Mutter und Bonusmama reichen sich die Hand zum gemeinsamen Gespräch

Setze Grenzen — ohne Mauern

Du darfst sagen: „Das ist nicht meine Entscheidung.” Du darfst Verantwortung zurückgeben, wenn sie nicht deine ist. Aber halte die Tür offen. Mauern schützen — aber sie isolieren auch.

„Freundschaft zwischen Bonusmama und Kindsmama ist kein Pflichtprogramm. Aber Respekt ist es. Und Respekt beginnt bei dir.” — Sally Matthes, Coach für Bonusmamas

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Zusammenfassung

Bonusmama und Kindsmama starten fast immer als Rivalinnen — nicht aus Bosheit, sondern weil das System sie so aufstellt. Der Weg von Konkurrenz zu Respekt verläuft in Phasen: vom unsichtbaren Krieg über den kalten Frieden zur respektvollen Distanz — und manchmal sogar zu echter Verbindung. Freundschaft ist kein Muss. Aber der Moment, in dem beide Frauen aufhören, gegeneinander zu kämpfen, ist der Moment, in dem das Kind endlich aufatmen kann.

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Häufige Fragen

Muss ich mit der Kindsmama befreundet sein?

Nein. Freundschaft ist kein realistisches oder notwendiges Ziel. Was zählt, ist gegenseitiger Respekt und eine funktionale Kommunikation — für das Wohl des Kindes. Manche Patchworkfamilien erreichen eine echte Verbindung, aber respektvolle Distanz ist bereits ein großer Erfolg.

Wie reagiere ich, wenn die Kindsmama mich ablehnt?

Konzentriere dich auf dein eigenes Verhalten: sachlich, respektvoll, nicht provozierend. Du kannst die Haltung der anderen Frau nicht kontrollieren. Aber du kannst dafür sorgen, dass das Kind keinen Konflikt zwischen euch spürt. Manchmal braucht es einfach Zeit.

Was tun, wenn das Kind mich und die Kindsmama gegeneinander ausspielt?

Kinder tun das nicht aus Bosheit — sie versuchen, ihre Welt zu ordnen. Reagiere ruhig: „Bei uns ist die Regel so" — ohne die andere Seite zu bewerten. Sprich mit deinem Partner darüber, nicht mit dem Kind. Und wenn möglich: klärt es direkt mit der Kindsmama.

Kann Parallel Parenting eine Lösung sein?

Ja, besonders wenn die direkte Kommunikation zu schwierig ist. Beim Parallel Parenting gelten getrennte Regeln in getrennten Haushalten bei minimaler direkter Interaktion. Das reduziert Konflikte und gibt dem Kind in jedem Haushalt ein klares, vorhersehbares Umfeld.